![]() netbem.eu Newsletter 19 März 2011 Inhalt Kritik des Verbandes Deutscher Kunstwissenschaftler und Reaktionen Neue Veröffentlichungen Enter - wöchentliches Engagementmagazin Basiswissen Bürgergesellschaft Nachrichten Zusammenarbeit von Museumsverein und Bürgerstifung Uni-Seminar "Freiwillige Mitarbeit im Museum" Tagungshinweise Europäische Freiwilligenuniversität, Basel Forum Freiwilligenarbeit, Salzburg Die Tricks der Profis In eigener Sache Vorschau Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, Nachrichten und Tagungshinweise zum bürgerschaftlichen Engagement im Museum bilden einen wichtigen Teil dieses Newsletter. U.a. berichten wir über die öffentlich ausgesprochene Kritik des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e.V. an der Unterstützung ehrenamtlicher Tätigkeit im Museumsbereich und über die Erwiderungen des DMB, von ICOM Deutschland und von netbem.eu. Unter „Vorschau“ laden wir Sie zu Beiträgen für die nächste Ausgabe freundlichst ein. Eine Information in eigener Sache: Mit dieser Ausgabe übernimmt Frau Dr. Toby Alexandra Hentschel, die bisher die Redaktion des Newsletter und der Homepage betreut hat, die Herausgeberschaft von „netbem.eu Newsletter“. Zugleich geht die Leitung des Projekts „Netzwerk Bürgerschaftliches Engagement (netbem.eu)“, das der Unterzeichner im Frühjahr 2006 gründete, auf die Hamburger Kollegin über. Frau Dr. Hentschel ist die Autorin des Buches „Freiwillige Mitarbeit in Museen“ von 2008, das auf empirischen Untersuchungen in den Museen der USA und in Deutschland basiert. Als unsere wissenschaftliche Beraterin hat sie mit ihrer exzellenten Fachkenntnis und ihren Ideen das Netzwerk und seine Publikationen von Anfang an maßgeblich mitgeprägt. Nach fünf Jahren des Bestehens des Netzwerks danke ich Toby Alexandra Hentschel herzlich für die stets konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich selber trage zukünftig gerne als Kolumnist zu unserem Newsletter bei. Einen Rückblick auf die bisherige Arbeit des Netzwerks finden Sie nachfolgend unter „In eigener Sache“. Mit freundlichen Grüßen – Dr. Udo Liebelt Kritik des Verbands Deutscher Kunsthistoriker an bürgerschaftlichem Engagement, Reaktionen von ICOM Deutschland, DMB und netbem.eu (UL) In einer „Stellungnahme... zu unbezahlter Arbeit“, die der Erste Vorsitzende des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker, Prof. Dr. G. Satzinger, am 3.2.2011 brieflich an die Vorstände des Deutschen Museumsbundes und ICOM Deutschland sowie an den Projektleiter des Netzwerks Bürgerschaftliches Engagement im Museum richtete, kritisiert der VDK die „Werbung um ehrenamtliches Engagement“ im Museum. Der VDK tritt darin „der in letzter Zeit laut werdenden Tendenz entgegen, dass kunsthistorische Arbeit nicht unbedingt entlohnt werden müsse“. Man befürchte, dass wegen des Einsatzes ehrenamtlicher Kräfte „Stellen gestrichen werden“. Anlass für die Stellungnahme des VDK, die von den Repräsentant/innen der Berufsgruppen „Freie Berufe“ und „Museum“ ausdrücklich unterstützt wird, war das Pressestatement von ICOM Deutschland zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011“ (wir berichteten in Newsl. 18, S. 7). In seiner Antwort vom 9.2.2011 widerspricht der Präsident von ICOM Deutschland, Dr. Klaus Weschenfelder, der Sorge des VDK: Ehrenamt und freiwillige Mitarbeit im Museum könne die angemessene Bezahlung oder gar Stellen von Kunsthistorikern im Museum gar nicht gefährden, weil sie im kuratorischen Aufgabenbereich praktisch nicht vorkämen. Vielmehr unterstütze das bürgerschaftliche Engagement die hauptamtliche Museumsarbeit, und zwar „in der Regel auf ganz anderen Feldern“. Für die nächste Ausgabe von "Magazin Museum.de" (vorauss. April 2011) kündigt Dr. Weschenfelder einen Beitrag zum Thema an, worin er – unter dem Titel: Das Museum gehört allen – die zivilgesellschaftliche Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für das Museum hervorheben will. Der Deutsche Museumsbund e.V. unterstreicht in seinem Brief an den VDK vom 11.2.2011 die wichtige Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements, die eine „große Unterstützung bei der Bewältigung des Museumsalltags“ darstellen könne. Verwiesen wird auf den 2008 veröffentlichten Leitfaden, in dem festgeschrieben worden sei, „dass personelle oder finanzielle Engpässe der Museen nicht durch den Einsatz von freiwilligen Mitarbeitern kompensiert werden“ dürfen (s.u.). Für das Netzwerk Bürgerschaftliches Engagement im Museum fragt Udo Liebelt in seinem Antwortschreiben vom 22.2.2011 nach den Quellen für die behauptete „‘Tendenz‘, kunsthistorische Arbeit nicht oder nur gering zu entlohnen“. Erst recht sei nicht erkennbar, was das bürgerschaftliche Engagement damit zu tun habe. Er verweist auf die diesbezüglich eindeutigen Aussagen im Leitfaden des DMB und im Pressestatement von ICOM Deutschland. netbem.eu trete für die Etablierung ethischer und organisatorischer Regeln im Freiwilligenwesen der Museen auch darum ein, um den missbräuchlichen Einsatz ehrenamtlicher bzw. freiwilliger Kräfte auszuschließen. Ein Wort am Schluss: Das Vorurteil, ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeit wirke sich bei hauptamtlichen Stellen im Museum als „Jobkiller“ aus, gewinnt nicht dadurch an Glaubwürdigkeit, dass es seit Jahrzehnten immer mal wieder, auch von prominenter Seite vorgetragen wird. Die erfolgreiche Praxis des bürgerschaftlichen Engagements im In- und Ausland, die u.a. auf dem Recht der Bürgerinnen und Bürger beruht, sich einzumischen und am Kulturleben aktiv mitzuwirken, spricht eine ganz andere Sprache. NEUE VERÖFFENTLICHUNGEN Enter - Wöchentliches Engagement-Magazin (AH) Seit Anfang Februar gibt es mit "Enter" die erste regelmäßige wöchentliche Veröffentlichung zu bürgerschaftlichem Engagement. Als buntes Magazin aufgemacht, berichtet es wöchentlich über unterschiedliche Aspekte der Bürgergesellschaft und des freiwilligen Engagements. Auf der Homepage des Projekts http://entermagazin.de können Sie sich für den Newsletter anmelden. Basiswissen Bürgergesellschaft Die kompakte Broschüre "Basiswissen Bürgergesellschaft. Zahlen und Fakten, Themen und Begriffe. Für alle, die die Gesellschaft mitgestalten wollen", herausgegeben von der "Aktiven Bürgerschaft", behandelt aktuelle Fragen zu Bürgergesellschaft, Vereinen, Stiftungen, bürgerschaftlichem Engagement, Gemeinwohl und Gemeinnützigkeit, historischen Entwicklungen und dem Stand der Forschung. Kostenloser Download unter: NACHRICHTEN Zusammenarbeit von Museumsverein und Bürgerstiftung (AH) Der Museumsverein Lörrach hat bei der Bürgerstiftung Lörrach einen Museumsfonds angelegt, um seine einzigartige Sammlung von Kulturgütern aus der Region langfristig pflegen und ausbauen zu können. Gegründet mit € 50.000, ist der Fonds durch Zustiftungen von Bürgern mittlerweile auf über € 250.000 angewachsen. So konnten bereits erste Objekte aus den Erträge erworben werden. Weitere Informationen bei http://www.buergerstiftung-loerrach.de Kostenlose Software (AH) Gemeinnützigen Organisationen im Bildungs- und Kulturbereich bietet Micorsoft kostenlose Lizenzen seiner Software an. Für kleine Museen in Vereinsträgerschaft könnte dies eine Möglichkeit sein, ihre Arbeit zu professionalisieren, ohne in teure Programme zu investieren. Voraussetzungen und Bewerbungswege sind beschrieben unter www.microsoft.org/ngo Uni-Seminar "Freiwillige Mitarbeit im Museum" (AH) An der Universität Hamburg haben Studierende der Kulturwissenschaften im nun beginnenden Sommersemester die Möglichkeit, ein Seminar "Freiwillige Mitarbeit im Museum" zu besuchen. http://www.kultur.uni-hamburg.de/volkskunde/Lehrver/2011/index.html TAGUNGSHINWEISE Europäische Freiwilligenuniversität, Basel, 31.8. - 3.9.2011 (AH) Vom 31. August bis 3. September findet in Basel eine Europäische Freiwilligenuniversität statt. Wie ihre Vorgängerinnen seit 1995 will auch diese Konferenz den Stand der Forschung zur Freiwilligenarbeit abbilden und den Austausch zwischen Theorie und Praxis fördern. Das diesjährige Thema lautet "Freiwilligenarbeit zwischen Freiheit und Professionalisierung". Die Anmeldung ist ab sofort möglich. Noch bis zum 31.3.2011 können Vorschläge für Beiträge eingereicht werden. Alle Informationen, das Tagungsprogramm und den vollständigen Ausschreibungstext finden Sie unter: http://www.freiwilligenuniversitaet-basel-2011.ch/Freiwilligenuniversitaet-basel-2011.ch/Home.html Heritage in our Hands (AH) "Heritage in our Hands - Volunteering as mutual challenge and opportunity in civil society" lautet der Titel einer Konferenz, die vom 19. - 21. Oktober in Graz stattfinden wird. Als Nachfolgeveranstaltung des Projektes "VoCH - Volunteering for Cultural Heritage" geht es um die gesellschaftliche Bedeutung freiwilligen Engagements auf europäsicher Ebene. Einsendeschluss für Präsentationsvorschläge ist der 1. Juli. Informationen und Kontakt über MUSIS – association for the support of museums and collections in Styria Forum Freiwilligenarbeit des Salzburger Bildungswerks (UL) Wie schon in den Vorjahren bietet das Salzburger Bildungswerk im "Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011“ einen Lehrgang für all jene an, die mit der Begleitung und Koordinierung von Freiwilligen betraut sind. Der Lehrgang bietet theoretische Grundlagen und praktisches Wissen für diese Tätigkeiten. Er findet im Stadtamt Seekirchen statt und umfasst sechs Samstage von März bis November 2011. Der Lehrgang ist durch die WeiterBildungsAkademie Österreich akkreditiert und wird mit 2,5 ECTS bewertet. Die Kosten für die Teilnahme am gesamten Lehrgang betragen € 200, inkl. Seminarunterlagen und Pausenverpflegung. Weitere Informationen über DIE TRICKS DER PROFIS Die Liste der Ausreden: Warum wir keine Freiwilligen brauchen Die Gründe, keine Freiwilligen in der Organisation zu wollen, sind vielfältig. Steve McCurley und Sue Vineyard haben eine Hitliste der typischen Ausreden zusammengestellt: 1. Freiwillige sind nicht zuverlässig. Nach: Steve McCurley, Sue Vineyard 1986: 101 Ideas for Volunteer Programs. Downers Grove. IN EIGENER SACHE Rückblick auf die Tätigkeit von netbem.eu in den Jahren 2006–2011 Mit der Übergabe der Leitung von Netzwerk und Newsletter an Frau Dr. Toby Alexandra Hentschel (Hamburg) bietet sich die Gelegenheit, auf die bisherige Tätigkeit des Netzwerks zurückzublicken. Seit seiner Gründung im Frühjahr 2006 verfolgt das Projekt die Ziele, wie sie in der ersten Ausgabe von „netfmm Newsletter“ (so der damalige Titel) beschrieben waren: „Das Netzwerk setzt sich für den Austausch von Informationen, Ideen und Meinungen über alle Belange des bürgerschaftlichen Engagements im Museum, der freiwilligen Mitarbeit bzw. der ehrenamtlichen Arbeit im Museum ein. Es möchte Initiativen, erfolgreiche Praxisbeispiele und Publikationen aus dem In- und Ausland bekanntmachten und lädt zur offenen Diskussion über Methoden und Organisationsformen der Freiwilligenpraxis im Museum ein.“ Anlässlich der ICOM Generalkonferenz vom August 2007 in Wien haben wir uns mit österreichischen und Schweizer Kolleg/innen zusammengetan, um das Netzwerk fortan grenzüberschreitend zu betreiben. Zur Beobachtung der internationalen Szene und zur Vermittlung von Praxisberichten, Nachrichten u.a. Beiträgen konnten engagierte Korrespondent/innen gewonnen werden (s. Homepage www.netbem.eu >Team). So stellt heute das über die Homepage zu nutzende Archiv der bisher 19 Ausgaben von „netbem.eu Newsletter“, mit Beiträgen von Autorinnen und Autoren aus den drei Ländern, das vielleicht vielfältigste Forum zur Thematik in deutscher Sprache dar. Über diesen regelmäßigen und kostenfreien Service hinaus gehört es zu unseren besonderen Erfolgen, dass es gelungen ist, die beiden großen Museumsverbände auf deutschem Boden von den Zielen unseres ehrenamtlich betriebenen Netzwerks zu überzeugen. Auf meine Anregung hin brachte der DMB 2008 eine 36-s. Broschüre heraus, betitelt „Bürgerschaftliches Engagement im Museum“, in der für das Freiwilligenwesen vor allem rechtliche und organisatorische Empfehlungen ausgesprochen werden. Die Publikation beschreibt die Praxis der Freiwilligenarbeit im Museum, empfiehlt die Etablierung organisatorischer Strukturen für den Einsatz von Freiwilligen, benennt Probleme und Chancen und definiert Aufgaben für den Einsatz von Freiwilligen (www.museumsbund.de). Frau Dr. Hentschel wie auch der Unterzeichnende gehörten zu den Autoren. Anlässlich des „Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit 2011“ hat das Deutsche Nationalkomitee von ICOM (ICOM Deutschland) in einem Pressestatement erstmals öffentlich seine Unterstützung des ehrenamtlichen bzw. freiwilligen Engagements im Museum erklärt (www.icom-deutschland.de). Die Erklärung basiert auf den „Ethischen Richtlinien für Museen von ICOM“ (2010), die für die Mitglieder weltweit gelten. Darüber hinaus empfiehlt ICOM Deutschland, sich bei der Organisation von Freiwilligenprogrammen auch an anderen internationalen Ansätzen zu orientieren, wie sie in den Dokumenten der World Federation of Friends of Museums (1996, www.museumsfriends.com), dem Handbuch „VoCH 2009“ (www.amitie.it/voch) oder dem Leitfaden des DMB (2008) beschrieben sind. Die Erklärung von ICOM Deutschland im Dezember 2010 entstand in Zusammenarbeit mit unserem Netzwerk. Frau Dr. Hentschel und ihrem Redaktionsteam, wie es im Impressum namentlich genannt ist, wünsche ich guten Erfolg bei der Fortentwicklung des Projekts, viele neue Freundinnen und Freunde im Netzwerk und eine glückliche Hand. Mit freundlichen Grüßen – Dr. Udo Liebelt VORSCHAU Thema gesucht (AH) Das Schwerpunktthema der nächsten Ausgabe des Newsletters steht noch nicht fest. Wir freuen uns über Anregungen! Unabhängig vom Schwerpunktthema sind Praxisberichte, Studien, Kommentare und Stellungnahmen wie immer willkommen. Bitte melden Sie Ihren Beitrag (max. 1800 Zeichen) bei der Redaktion an: a.hentschel@netbem.eu. Redaktionsschluss ist der 08. Juni 2011. Impressum und Kontakt Netzwerk Bürgerschaftliches Engagement im Museum/netbem.eu Newsletter: info@netbem.eu Projektleitung Netzwerk, Website, Herausgeberin und Redaktion Newsletter: Dr. Toby Alexandra Hentschel (AH), a.hentschel@netbem.eu Mitglieder der Redaktion: Österreich: Dr. Claudia Peschel-Wacha (CPW), c.peschel-wacha@netbem.eu Schweiz: Eva Roth-Kleiner (ERK), e.roth-kleiner@netbem.eu Deutschland: Dipl.-Soz. Fritjof Kleff (FK), f.kleff@netbem.eu Kolumnist, Gründer des Netzwerks: Dr. Udo Liebelt (UL), u.liebelt@netbem.eu Vertrieb Newsletter: newsletter@netbem.eu Homepage: www.netbem.eu Download Newsletter: www.netbem.eu>Newsletter>Archiv Postanschrift: D-20253 Hamburg/Deutschland, Moltkestr. 8 Weitergabe und Abdruck netbem.eu Newsletter wird online vertrieben und dient als Informationsservice des Netzwerks. Interessierte Personen, Verbände oder Institutionen, die sich bei netbem.eu registriert haben, erhalten den Newsletter automatisch und kostenlos. Über die Homepage sind zudem sämtliche Ausgaben im Archiv öffentlich einzusehen. Der Newsletter ist urheberrechtlich geschützt. Seine Inhalte werden mit Sorgfalt ausgewählt und redaktionell bearbeitet. Es ist daher – ohne Absprache – nicht gestattet, Inhalte aus diesem Newsletter zu übernehmen, auch nicht auszugsweise. Sie können jedoch die komplette Ausgabe mit Impressum an andere Interessenten weiterleiten. Wenn Sie sich für die Wiedergabe einzelner Beiträge interessieren, nehmen Sie bitte Kontakt zu dem/der Autor/in oder zur Herausgeberin auf. |